Ressourcen Marktplatz

 

Fachsymposium 2026

„Sicher und leistbar im eigenen Zuhause altern – Perspektiven für Gemeinden, Wirtschaft und soziale Dienste“


Unter dem Motto „Gönn dir Neues!“ diskutierten Expert:innen am Sonnenplatz Großschönau Wege zur Zukunft des Wohnens und der Pflege

Großschönau – Wie können wir Lebensqualität im Alter sichern und gleichzeitig die Kosten im Wohn- und Pflegebereich bremsen? Diese Frage stand im Zentrum des Fachsymposiums „Sicher und leistbar im eigenen Zuhause altern“, veranstaltet vom Verein TDW Großschönau, Projekt Nachhaltiger Ressourcenmarktplatz, und der Sonnenplatz Großschönau GmbH im Rahmen eines Wohnbauforschungsprojekts. Vertreter:innen aus Politik, Gemeinden, Sozialorganisationen, Wohnbauforschung und Wirtschaft nutzten die Gelegenheit, um sich über strategische Handlungsmöglichkeiten zu informieren und auszutauschen. Aus den Reihen der Politik nahmen NR Lukas Brandweiner (Präsident des Hilfswerks Niederösterreich) sowie BR Margit Göll teil.

Unter dem Motto „Gönn dir Neues!“ wurde ein bewusst positiver Zugang gewählt: Altersgerechtes Wohnen soll nicht als Reaktion auf Krankheit oder Pflegebedürftigkeit verstanden werden, sondern als aktiver Schritt zu mehr Komfort, Sicherheit und Lebensqualität.


Eine Herausforderung, die uns alle betrifft

Die Zahlen sind eindeutig: Die Anzahl der über 65-Jährigen wird in den kommenden Jahrzehnten stark steigen, bis 2025 um ~50%. Gesundheits- und Pflegekosten wachsen kontinuierlich. Präventive Maßnahmen spielen bislang jedoch eine untergeordnete Rolle.

Martin Bruckner von der Sonnenplatz Großschönau GmbH verwies auf eine alarmierende Tatsache: Rund 20.000 Menschen über 65 werden jährlich in Niederösterreich nach Stürzen hospitalisiert – meist infolge von Unfällen im eigenen Wohnumfeld. Ein Oberschenkelhalsbruch verursacht direkte Kosten von rund 15.000 Euro, Folgekosten nicht eingerechnet.

„Jeder will älter werden, aber keiner will alt sein“, brachte Regionalexperte Josef Wallenberger die emotionale Hürde auf den Punkt. Genau hier brauche es neue Kommunikationsstrategien.

Dr. Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW) zeigte zudem auf, dass altersgerechte Sanierung nicht nur eine soziale Frage ist, sondern auch eine raumordnungs- und wirtschaftspolitische. Der Großteil des Wohnbestands stammt aus einer Zeit, in der Barrierefreiheit kein Thema war. Gleichzeitig entstehen Leerstände in Ortskernen, während am Ortsrand neu gebaut wird. Altersgerechte Sanierung könne daher auch ein Hebel für Ortskernbelebung, regionale Wertschöpfung und nachhaltige Raumentwicklung sein.


Praxisbeispiel: Ortskern statt grüner Wiese

Wie das konkret funktionieren kann, zeigte Architekt David Calas anhand der Zentrumsentwicklung in Schweiggers. Statt Neubau auf der grünen Wiese setzt das Konzept auf die Aktivierung bestehender Gebäude, flexible und barrierefreie Grundrisse, Gemeinschaftsflächen sowie die Verbindung von Wohnen, Gesundheit und Infrastruktur.

Altersgerechtes Wohnen wird damit zum Instrument gegen Leerstand, Vereinsamung und infrastrukturelle Ausdünnung im ländlichen Raum.


Wirtschaftliche Vernunft: Früh handeln statt später reparieren

Im Mittelpunkt stand das von der NÖ Wohnbauforschung geförderte Projekt
„Altersvergnügen im dritten Lebensabschnitt im Eigenheim bzw. in den eigenen vier Wänden“, umgesetzt durch die Sonnenplatz Großschönau GmbH. Die wirtschaftliche Rechnung ist eindeutig: Umbaukosten im sogenannten „Silberstandard“ beginnen bei rund 30.000 Euro. Ein Pflegeheimplatz kostet rund 54.000 Euro pro Jahr. Mobile Betreuung daheim kostet einen Bruchteil davon und 24 Stunden Betreuung kostet etwa 41.000 Euro pro Jahr. Frühzeitig handeln ist daher günstiger als später reparieren.

Besonderes Interesse fanden die im Projekt entwickelten Instrumente:

  • Eine praxisnahe Checkliste für barrierefreies Wohnen mit Prioritäten-Farbcode und realen Kostenbeispielen aus 2025 zeigt, wie einfach erste Schritte gesetzt werden können.
  • Das humorvolle Zeichentrickvideo – mit Katze und Enkelkind in der Hauptrolle – brachte das Motto „Gönn dir Neues!“ charmant auf den Punkt:

Barrierefreies Wohnen ist kein Thema des Alters, sondern ein Schritt zu mehr Freiheit im eigenen Zuhause.

Beide Werkzeuge stehen kostenlos unter www.sonnenplatz.at/zuhause_ohne_huerden zum Download bereit.

In der abschließenden Unternehmensrunde wurde deutlich:
Das Know-how für altersgerechte Sanierungen ist vorhanden. Was es braucht, ist bessere Kommunikation, mehr Sichtbarkeit und die aktive Einbindung von Gemeinden als Multiplikatoren.


Fazit: Keine soziale Randfrage, sondern strategische Zukunftsfrage

Das Symposium machte klar: Altersgerechtes Wohnen ist keine Nischenfrage der Pflege. Es ist eine strategische Zukunftsfrage für Gemeinden, Wirtschaft und Gesellschaft – und letztlich für jede und jeden persönlich.

Denn die entscheidende Frage ist nicht, ob wir älter werden – sondern wie.

 

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